Physio Deutschland kritisiert Förderstopp für Cochrane Deutschland

Dem Verband zufolge gefährdet das Auslaufen der Bundesförderung Ende 2027 eine wichtige Säule der evidenzbasierten Gesundheitsversorgung in Deutschland.

Zehn Jahre lang hat der Bund die Arbeit der Cochrane Deutschland Stiftung mit jährlich gut einer Million Euro unterstützt, damit soll 2027 Schluss sein. Das Bundesgesundheitsministerium begründet den Schritt mit veränderten Rahmenbedingungen und knapperen Haushaltsmitteln, nicht mit Zweifeln an der fachlichen Qualität der Arbeit. Trotzdem steht die Stiftung damit vor einem Problem: Findet sich bis 2028 kein neuer Geldgeber, müssen zentrale Angebote eingeschränkt werden.

Warum Physio Deutschland das für mehr als eine Finanzierungsfrage hält

Aus Sicht des Verbands trifft die Kürzung einen neuralgischen Punkt der Versorgung. Physiotherapeut:innen stützen ihre tägliche Arbeit auf wissenschaftliche Evidenz, und genau hier leistet das Cochrane-Netzwerk seit über 30 Jahren wichtige Grundlagenarbeit: Es sichtet Studien systematisch und bereitet sie so auf, dass sie im Praxisalltag tatsächlich nutzbar sind. Mit mittlerweile über 9.000 ausgewerteten Studien in der internationalen Cochrane Library übernimmt die deutsche Stiftung dabei die Rolle, dieses Wissen für den deutschen Gesundheitsbereich zugänglich zu machen, für Fachkräfte ebenso wie für Patient:innen.

Gerade weil im Internet, insbesondere in sozialen Netzwerken, fundierte Informationen und Falschbehauptungen zunehmend schwer zu unterscheiden sind, wiegt der drohende Wegfall dieser Instanz aus Verbandssicht schwer.

Verband fordert Politik zum Handeln auf

Vorstandsmitglied Alexander Stirner nennt die Entscheidung ein fatales Signal für die evidenzbasierte Versorgung und verweist darauf, dass verlässlicher Wissenstransfer von der Forschung in die Praxis feste Strukturen brauche, keine befristeten Förderprogramme. Physio Deutschland fordert Bund und Länder deshalb auf, sich aktiv in die Suche nach einer Anschlusslösung einzubringen, die die Stiftung selbst bis Ende 2027 vorantreiben will, damit die Arbeit auch über 2028 hinaus gesichert ist.

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