Finanzplanung: Lebensziele erreichen

Versicherungen und Altersvorsorge stehen bei vielen eher im unteren Teil der To-do-Liste. Doch es zahlt sich aus, frühzeitig mit der Planung zu beginnen und am Thema dranzubleiben.

Therapeutin plant Ihren Verischerungsschutz

Das Wichtigste ist, einen Plan zu haben. Das gilt für Heilmittelerbringer:innen, die erst vorhaben, eine eigene Praxis zu führen, ebenso wie für jene, die das bereits erfolgreich tun. Im Idealfall beantwortet dieser Plan drei zentrale Fragen. Wie stelle ich mir konkret mein Berufsleben vor? Wie viel Geld brauche ich, jetzt und im Alter? Und wie sichere ich mich am besten ab gegen Pleiten, Pech und Pannen?

Der Düsseldorfer Gesundheitsökonom Rainer Klaeren hat schon viele Praxisgründer:innen und -eigentümer:innen beraten und kennt die Stolperfallen, die ins Geld gehen oder den Erfolg gefährden können. „Der klassische Weg ist, dass die jungen Leute ein paar Jahre Erfahrungen als Angestellte sammeln und sich dann für den Schritt zur eigenen Praxis entscheiden.“ Meist starten die Praxisgründer:innen voller Elan als Einzelkämpfer:innen und vergessen dabei, die Details des Praxisalltags zu durchdenken.
 

Stellen Sie sich rechtzeitig notwendige Fragen: Bin ich der Typ, der jahrzehntelang von früh bis spät ackern kann, oder brauche ich alle paar Jahre eine Auszeit? Habe ich vor, eines Tages eine Familie zu gründen?

Rainer Klaeren, Gesundheitsökonom 

Ein Beispiel dafür sind Ausfallzeiten, zu denen es unweigerlich kommen wird. Urlaube, Elternzeit oder der Wunsch, sich ab und zu eine Auszeit zu nehmen, sind Aspekte, die am Anfang gerne übersehen, irgendwann aber relevant werden. „Dass sie in der Zeit, in der sie nicht arbeiten können, Umsätze verlieren, während die Kosten weiterlaufen, ist zwar den meisten klar. Viel schlimmer ist, dass dann auch Patient:innen verloren gehen, die sich in den Fehlzeiten anderweitig orientieren“, sagt Klaeren.

Für ihn ist es ebenso wichtig, auf die Zahlen zu achten, wie hinter sie zu schauen. „Viele schreiben aufwendige Businesspläne, um bei den Banken Investitionskredite einzuwerben. Die mag das überzeugen, aber was diesen Zahlenwerken meist fehlt, ist der Blick auf die weichen Faktoren, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden können.“ Dazu zähle beispielsweise der gute Kontakt zu den Arztpraxen, von deren Zuweisungen die Therapeut:innen schließlich abhingen: „Die Zuverlässigkeit in der Zusammenarbeit ist für die Ärzt:innen dabei das Wichtigste, wer das nicht bieten kann, wird es auch bei bester Fachlichkeit schwer haben.“

Wer seine eigene Praxis betreiben will, sollte am Anfang bereits an das Ende denken: die Altersvorsorge. Wie sie im Einzelnen ausgestaltet wird, hängt von den eigenen Voraussetzungen ebenso ab wie von den persönlichen Plänen. „Bin ich der Typ, der jahrzehntelang von früh bis spät ackern kann, oder brauche ich alle paar Jahre eine Auszeit? Habe ich vor, eines Tages eine Familie zu gründen? Solche Fragen können zu komplexen Entscheidungen führen. Wer hier unsicher ist oder die Zeit für die Beschäftigung damit nicht investieren kann oder will – schließlich hält das vom Arbeiten ab –, sollte sich vertrauensvolle Beratung hinzuziehen“, empfiehlt Klaeren.

53% aller Personen im erwerbsfähigen Alter machen sich Sorgen um ihre Altersvorsorge.

Gesamtverband derDeutschen Versicherungswirtschaft

Dirk Ledermann ist einer, der sich in diesen Themen bestens auskennt. Der Finanzberater und Versicherungsexperte konzentriert sich in seiner Beratung auf konkrete Zahlen und die komplexen Zusammenhänge, die sich aus individuellen Plänen und Voraussetzungen seiner Klient:innen ergeben. Seine Kolleg:innen und er decken alle Themen ab, die für Inhaber:innen von Praxen relevant sein können. Und das ist ein weites Feld: Zum einen gibt es eine ganze Reihe von Bereichen zu beachten – von A wie Altersvorsorge bis Z wie Zusatzversicherung –, zum anderen steckt der Teufel wie immer im Detail.

Die Pflichtversicherungen sind ein gutes Beispiel, denn sie scheinen zunächst ein recht überschaubarer Bereich zu sein: „Mitarbeiter:innen sind sozialversicherungspflichtig, müssen also von den Praxisinhaber:innen angemeldet werden, die ihrerseits natürlich selbst auch eine Krankenversicherung brauchen“, sagt Ledermann. „Darüber hinaus besteht nur die Pflicht zur Berufshaftpflichtversicherung, die dann einspringt, wenn beispielsweise Schäden an der gemieteten Praxis entstehen oder ein Patient auf dem frisch gebohnerten Boden ausrutscht.“

Doch selbst bei dieser relativ einfachen Versicherung gibt es beachtenswerte Unterschiede, beispielsweise in der Versicherungssumme, die laut Ledermann mindestens fünf Millionen Euro betragen sollte. „Das klingt zunächst einmal nach viel. Wenn aber ein elektrischer Kurzschluss in der Praxis den Brand eines Mehrfamilienhauses verursacht oder ein Patient falsch behandelt wird und eine lebenslange Invalidenrente erhält, kommt es schnell zu siebenstelligen Schadensummen.“

Außerdem ist Versicherung nicht gleich Versicherung. Der erste der oben genannten Fälle ist für einen Versicherer relativ einfach, sagt Ledermann, der zweite mit den körperlichen Schäden eher nicht. Hier sei es für Therapeut:innen empfehlenswert, sich Versicherungsunternehmen zu suchen, die entsprechende Erfahrungen im Heilwesen haben oder von vorneherein auf die Branche abgestimmte Versicherungslösungen anbieten. „Wer danach googelt, findet im Zweifelsfall nicht den besten Versicherer, sondern nur den mit dem größten Werbebudget. Besser ist es beispielsweise, sich an den eigenen Berufsverband zu wenden, sich mit anderen Praxisinhaber:innen auszutauschen oder unabhängige Makleragenturen zu befragen“, weiß Ledermann.

5 Millionen Euro 

sollte die Berufshaftpflichtversicherung mindestens abdecken

Wichtig sei auch, bei den Versicherungen auf dem Laufenden zu bleiben, denn die Versicherungsunternehmen hätten erfahrungsgemäß wenig Interesse daran, die Policen bei Bestandskunden von sich aus weiterzuentwickeln. „Wir stoßen manchmal bei Kunden auf alte Verträge mit aus heutiger Sicht viel zu niedrigen Versicherungssummen, und hier sind die Praxisinhaber:innen tatsächlich selbstgefordert, sonst ist der Versicherungsschutz irgendwann nicht mehr aktuell“, warnt Ledermann. Er empfiehlt sogar eine regelmäßige „Inventur“ aller Versicherungen, idealerweise jährlich, mindestens aber alle zwei Jahre.
 

Wir stoßen manchmal bei Kunden auf alte Verträge mit aus heutiger Sicht viel zu niedrigen Versicherungssummen, und hier sind die Praxisinhaber:innen tatsächlich selbst gefordert.

Dirk Ledermann, Versicherungsexperte

Denn bei den Pflicht-Policen wie der Betriebshaftpflichtversicherung wird es im Praxisalltag nicht bleiben, und der Ordner mit der Aufschrift „Versicherungen und Altersvorsorge“ wird mit der Zeit deutlich an Umfang zunehmen. Versichern lässt sich im Prinzip alles, und eine Binsenweisheit besagt, dass Versicherungsunternehmen meist gut von der Angst ihrer Kunden leben. Wer kommt etwa für die Kosten auf, wenn das betriebliche Eigentum beispielsweise durch Einbruch oder einen Wasserschaden beschädigt wird, wie die Computer in der Praxis oder die therapeutischen Liegen?

Hier würde die Betriebsinhaltsversicherung greifen, die in etwa mit einer privaten Hausratsversicherung vergleichbar ist, sagt Ledermann. Und was passiert, wenn durch den Wasserschaden nicht nur Geräte beschädigt wurden, sondern die Praxis unbenutzbar ist, weil die Räumlichkeiten wochenlang getrocknet werden? Die Kosten laufen weiter, aber die Einnahmen fehlen. Dafür gibt es eine Betriebsunterbrechungsversicherung.

Beispiele für weitere bedenkenswerte Versicherungen gibt es genug. Da wäre beispielsweise die Berufsunfähigkeitsversicherung, die insbesondere für die körperliche Arbeit der Physiotherapeut:innen sehr relevant sein kann. Oder das Thema Altersvorsorge mit der Frage, wie weit in einigen Jahren oder Jahrzehnten die staatliche Rente tragen wird und womit sie am besten ergänzt werden könnte. Sollten sich Therapeut:innen hier Sorgen machen, sind sie nicht allein: Über der Hälfte der Personen (53 Prozent) im erwerbsfähigen Alter in Deutschland geht es mit Blick auf ihre Altersvorsorge genauso.

Möglich sind beispielsweise Rentenversicherungen, Immobilien oder Wertpapiere, die Frage ist nur, welche und in welcher Mischung. Für Praxisinhaber:innen mit Mitarbeiter:innen öffnet sich ein weites Feld zwischen Dienstreisekaskoversicherung und guten Lösungen, mit denen die schwer zu findenden Fachkräfte an die Praxis gebunden werden können.

Folgt man dem Rat von Fachleuten wie dem Gesundheitsökonomen Rainer Klaeren oder dem Versicherungsexperten Dirk Ledermann, dann empfiehlt es sich, Versicherungen und Altersvorsorge zu einem festen Teil der eigenen Lebensplanung zu machen (s. a. "Altersvorsorge als Teamarbeit"). Dieser Beitrag ist der Auftakt zu einer Serie, mit der die wichtigsten Fragen rund um Finanzplanung und Versicherungen von Praxisinhaber:innen beantwortet werden


Neue Serie: Finanzen im Fokus 

Wer als Praxisinhaber:in unternehmerische Verantwortung übernimmt, muss frühzeitig und umfassend planen – besonders mit Blick auf finanzielle Absicherung. In einer neuen Serie beantworten wir die wichtigsten Fragen rund um Finanzplanung und Versicherungen. Und das für alle Phasen des Lebens als Unternehmer:in: von der Praxisgründung bzw. -übernahme über ihren langjährigen Betrieb bis hin zu Praxisverkauf oder -übergabe. Erfahren Sie, worauf es ankommt, was Sie tun können und wie Sie dabei am besten vorgehen.