Neue Studie: für einen starken Praxisbetrieb

Wie können sich Physiotherapiepraxen erfolgreich aufstellen? Wir haben mit Prof. Jürgen Zerth gesprochen, der eine aktuelle Analyse zum Thema verantwortet.

Wie hält man eine Praxis am Laufen? Analysen zum Markt der Heilmittelerbringer:innen gibt es nicht wenige, aber der direkte Austausch mit Praxisinhaber:innen und Therapeut:innen kommt mitunter zu kurz. „Wie arbeiten Physiotherapeut:innen im Status quo?“ fragt dagegen eine neue Analyse zu „Nachhaltigen Organisations- und Praxisstrukturen“*, die im Auftrag von Optica am interdisziplinären Forschungsinstitut IDC der SRH Wilhelm Löhe Hochschule Fürth erstellt wurde. Der Leiter des Instituts, der Gesundheitsökonom Professor Jürgen Zerth, erläutert: „Wir wollten durch die Befragung von Inhaber:innen genauer hinschauen, wie eine physiotherapeutische Praxis funktioniert.“

83 Praxen wurden für die nun veröffentlichte Studie von Dezember 2020 bis April 2021 angeschrieben; mit Bezug auf die vollständigen Antworten beträgt die Rücklaufquote 79,5 Prozent. Die Mehrzahl der Befragten (54,5 Prozent) ist weiblich; von 26 Jahren an sind alle Altersgruppen vertreten. Zudem wird ein großes Interesse an Zusatzqualifikationen deutlich: Bei der Anzahl an Fort- und Weiterbildungen pro Person zeigt sich, dass der Großteil der Befragten mehrere Fort- und Weiterbildungen genutzt hat. Die Spanne reicht dabei bis hin zu 16 Fort- und Weiterbildungen pro Person; nur drei Prozent der Befragten haben keinerlei Fort- oder Weiterbildung genutzt.

Das Ziel, mit zusätzlichen Qualifikationen das eigene Angebot zu stärken, spiegelt sich auch in der Art der Fort- und Weiterbildungen. So hält die Analyse etwa fest:

„Bezogen auf absolvierte Fort- und Weiterbildungen gaben mit 75,8 % die meisten Befragten an, eine Qualifikation der manuellen Therapie zu besitzen, gefolgt von Kinesiotape mit 63,6 %, manueller Lymphdrainage mit 53 % und medizinischer Trainingstherapie mit 48,5 %. Leistungen der manuellen Therapie machen nach normaler Krankengymnastik, die bereits rund zwei Drittel der physiotherapeutischen Maßnahmen abdeckt, den größten Teil an Zertifikatsleistungen aus, was die Häufigkeit dieser Fort- und Weiterbildung erklären könnte: Hier liegen die Vergütungssätze höher als bei normaler Krankengymnastik, es muss aber eine zertifizierte Weiterbildung abgeschlossen sein.“

Jürgen Zerth ergänzt, dass sich „offenbar zahlreiche Therapeut:innen durch die bestehende Verordnungspraxis gedrängt fühlen, vor allem viele verschiedene Fort- und Weiterbildungen zu machen. Das kann einer tatsächlichen Spezialisierung entgegenstehen und ist auch ökonomisch nicht zielführend.“ Eines der im Rahmen der Analyse von den Befragten eingeholten Statements benennt das Problem,

„dass teure und zeitintensive Fortbildungen und Zusatzqualifikationen gar nicht honoriert werden. Auf der einen Seite von der Krankenkasse (z. B. die Vergütung für Lymphdrainage, wenn man den Minutenpreis ausrechnet). Auf der anderen Seite von den Ärzten, die nur blanke Krankengymnastik verordnen.“

Unabhängig davon, wo sich gesundheitspolitisch künftig Verbesserungen erreichen lassen: Praxisinhaber:innen stehen vor der Herausforderung, die Qualifikationen ihres Teams so zu organisieren, dass sie möglichst passgenau Behandlungen anbieten können. „Zusätzliche Behandlungsräume bringen natürlich nur etwas, wenn ich sie mit Terminen füllen kann. Je besser Praxisinhaber:innen abrechnungsfähige Leistungen mit ihren Behandlungsräumen und ihrem Personal in Deckung bringen, desto sicherer sind sie vor Umsatzschwankungen“, verdeutlicht Jürgen Zerth.

69,7 % der Befragten gaben an, dass sie eine Verwaltungssoftware zur Organisation ihrer Arbeit nutzen.

Wie können Praxisinhaber:innen ihre Zeit nutzen?

Pro Patient:in und Therapieeinheit gaben die Teilnehmenden in der Befragung eine durchschnittliche reine Behandlungszeit von 21,2 Minuten an, jedoch ohne Unterscheidung der verschiedenen Therapieangebote. Die Analyse zeigt aber:

„Insgesamt wird pro Patient:in und Therapieeinheit ein durchschnittlicher Zeitaufwand von 46,9 Minuten angegeben, sodass für Vor- und Nachbereitung, Terminkoordination, Rezeptkontrolle und Dokumentation im Mittel insgesamt mehr Zeit veranschlagt wird als für die reine Behandlung.“

Beim bürokratischen Aufwand sehen die befragten Praxisinhaber:innen Diskussionsbedarf, was zwei Statements unterstreichen:

„Ich benötige sehr wenig Zeit für die Rezeptkontrolle, da ich das an meine Abrechnungsstelle Optica gegen Gebühr abgegeben habe. Ich habe einfach zu oft die Fehler der Arzthelferinnen übersehen. Ich finde es unmöglich, dass wir diese Kontrollpflicht haben. Die Helferinnen und Ärzte erhalten Fortbildungen von der KV zur Rezeptausstellung und sind dann u. U. trotzdem nicht in der Lage, es richtig zu machen. Ich erhalte keine Fortbildung dazu und soll es kontrollieren!“

„Terminkoordination fällt in den Bereich ,Anmeldung‘; auch die Rezeptkontrolle oder Rezeptkorrektur muss in dem Bereich der Anmeldung liegen, da dieses nicht noch von Therapeuten in der Kürze der Behandlungszeit zu stemmen ist. Daher sollte in einer Physiotherapie auch dringend auf gut ausgebildetes Personal in der Anmeldung geachtet werden, denn dieser Bereich wird leider immer (für einen guten und reibungslosen Ablauf) unterschätzt.“

Besonders am letzten Punkt verdeutlicht sich trotz aller bürokratischen Fragestellungen auch die Chance einer klugen Digitalisierung, so Jürgen Zerth: „Gerade weil die Rezeptkontrolle oft ein kritischer Punkt ist, kommt es auf eine gut gemachte Anbindung an die Telematikinfrastruktur an. Insbesondere die Nutzung der elektronischen Patientenakte könnte für Therapeut:innen ein präziseres Bild zu ihren Patient:innen bedeuten – das wäre aber ein Feld für weitere Studien.“

* Wie arbeiten Physiotherapeut:innen im Status quo?, Studie des IDC (unveröffentlicht), Projektteam: A.-K. Piereth, P. Jaensch, S. Müller, M. Oppelt, J. Hofmann und J. Zerth (2022).


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