Stimmungsbild Heilmittelmarkt 2026: Digitalisierung zwischen Fortschritt und Skepsis
Die Digitalisierung bleibt das zentrale Thema in der Heilmittelbranche. Ein Jahr vor dem geplanten TI-Pflichttermin zeigt sich: Die Branche bewegt sich – aber unterschiedlich schnell. Während einige Praxen bereits konkrete Schritte in Richtung Vernetzung und digitale Praxisprozesse gehen, zögern andere noch aus Unsicherheit, Zeitmangel oder weil der unmittelbare Nutzen nicht klar erkennbar ist.
Eine aktuelle Optica-Umfrage mit mehr als 750 Teilnehmenden zeigt, wie die Branche auf die Digitalisierung blickt: wo Chancen liegen, welche Hürden noch bremsen und welche Rolle künstliche Intelligenz (KI) bereits heute im Praxisalltag spielt.
Fortschritt bei der TI: Zwischen Pflicht und Pragmatismus
Mit der Verschiebung des TI‑Pflichtanschlusses auf Oktober 2027 hat das Thema etwas von seinem zeitlichen Druck verloren. Viele Praxen nutzen die gewonnene Zeit aktiv, um sich gezielt vorzubereiten. Immer mehr Heilmittelerbringende beschäftigen sich intensiv mit den Anforderungen ihrer Praxissoftware, der KIM‑Kommunikation und der elektronischen Patientenakte (ePA).
Die Umfrage von Optica belegt diesen Fortschritt deutlich: Waren 2025 nur 2,3 % der befragten Praxen an die TI angeschlossen, sind es inzwischen rund 23 %. Auch bei den benötigten Ausweiskarten bewegt sich etwas: Mehr als ein Viertel der bislang noch nicht angebundenen Praxen haben diese bereits bestellt (Vorjahr: 7,6 %).
Damit ist klar: Die TI ist in der Heilmittelbranche angekommen, auch wenn sie längst noch nicht flächendeckend umgesetzt ist. Immer mehr Praxen betrachten die Digitalisierung nicht mehr nur als politische Vorgabe, sondern als Chance, interne Abläufe zu modernisieren, Prozesse zu vereinfachen und langfristig effizienter zu arbeiten.
Informations- und Vorbereitungslage: Fortschritt mit Unsicherheiten
Die Informationslage hat sich spürbar verbessert. Immer mehr Praxen fühlen sich ausreichend informiert, um die Digitalisierung aktiv anzugehen. Der Anteil jener, die sich sehr schlecht vorbereitet fühlen, ist deutlich gesunken – von rund 51 % im Vorjahr auf 33 %. Gleichzeitig bleibt der Anteil derjenigen, die sich nur teilweise oder eher schlecht vorbereitet sehen, weiterhin hoch.
Positiv ist darüber hinaus, dass sich der Anteil der gut vorbereiteten Praxen im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt hat, insgesamt bleibt es aber auf niedrigem Niveau. Die Branche ist weiter als im Vorjahr, braucht jedoch weiterhin Orientierung und vor allem praxisnahe Unterstützung. Zentraler Schlüssel für eine erfolgreiche digitale Transformation bleibt die einfache und verständliche Informationsvermittlung – damit aus Wissen zunehmend Handeln wird.
eVerordnung: Große Erwartungen, große Skepsis
„Endlich korrekte Verordnungen. Sollten Änderungen nötig sein, dann geht das zukünftig ohne Fax.“
Die Einführung der eVerordnung wird überwiegend kritisch gesehen. Viele zeigen sich zurückhaltend, gleichzeitig gibt es eine wachsende Gruppe mit neutraler bis positiver Haltung. Inhaltlich zeigt sich ein Spannungsfeld zwischen Hoffnung und Sorge: Auf der einen Seite stehen die Erwartungen an „weniger bürokratischer Hürden, mehr Zeit für den Menschen“, weniger Papierarbeit, schnellere Korrekturen fehlerhafter Verordnungen und eine effizientere Kommunikation mit Arztpraxen. Auf der anderen Seite überwiegen Bedenken über technische Probleme, unklarer Abläufe – etwa bei Hausbesuchen oder Unterschriftsprozessen – sowie zusätzlichem Aufwand und Kosten.
„Wenn sie schon kommt, sollte sie uns keine Mehrarbeit machen, sondern funktionieren.“
Die eVerordnung wird also nicht grundsätzlich abgelehnt, sondern an eine Bedingung geknüpft: Sie muss verlässlich und einfach funktionieren. Erst wenn der digitale Prozess im Alltag reibungslos läuft, sehen viele Praxen echten Mehrwert und sind bereit, den nächsten Schritt in Richtung papierfreie Versorgung zu gehen.
TI einfach machen: Ihr Anschluss mit OpticaTI
OpticaTI bringt Ihre Praxis sicher in die digitale Zukunft. Von der Hardware über einen Installationsservice bis hin zum täglichen Support für alle Fragen erhalten Sie mit OpticaTI ein Full-Service-Paket mit bequemer monatlicher Zahlung. Und das Beste: die entstehenden Kosten werden durch die GKV-Förderung und den einmaligen Optica TI-Bonus mehr als gedeckt.
Software als Schaltzentrale
Eine Praxissoftware bleibt das Herzstück der Digitalisierung. Etwa drei Viertel aller Praxen arbeiten inzwischen mit einer digitalen Lösung – oft noch mit unterschiedlichem Funktionsumfang, aber zunehmend TI‑fähig oder erweiterbar. Neben Terminplanung und Abrechnung gewinnen digitale Verordnungsübernahme, Patientenakte, automatisierte Abrechnungsläufe und Dokumentation stärker an Bedeutung.
Rund ein Viertel der Praxen nutzt dagegen noch keine Softwarelösung. Das liegt meist an einem Zusammenspiel aus Zeit- und Ressourcenaufwand für die Einführung, fehlender technischer Sicherheit und finanzielle Überlegungen. Hinzu kommen strukturelle Gründe – etwa bei bevorstehender Praxisaufgabe.
Zunehmend zeigt sich in der aktuellen Umfrage eine Tendenz zu integrierten Systemen: Praxen bevorzugen Komplettlösungen, die mehrere Praxisabläufe miteinander verbinden, statt isolierte Einzelfunktionen. Ziel ist, den administrativen Aufwand zu reduzieren und eine moderne, sichere Kommunikation mit Ärzt:innen und Kostenträgern zu ermöglichen.
Support und Schulung: Persönlich, praxisnah, verständlich
Beim Support zeigt sich ein eindeutiges Bild: Praxen wünschen sich vor allem direkte und persönliche Hilfe. Am wichtigsten ist die Unterstützung bei konkreten Anwendungsfragen, idealerweise durch einen festen Ansprechpartner oder telefonisch. Digitale Kanäle wie E-Mail, Chat oder Handbücher werden zwar genutzt, gelten aber eher als Ergänzung. Für viele zählt vor allem: sichtbare Erreichbarkeit und schnelle Reaktionszeit.
Auch bei Schulungen steht die Praxisnähe im Vordergrund. Besonders gefragt sind Webinare zu Neuerungen, ein strukturiertes Onboarding bei Softwarestart und Schulungen zu konkreten Funktionen. Entscheidend ist weniger Theorie als unmittelbare Unterstützung während des Arbeitsprozesses – etwa bei Terminplanung, Dokumentation oder Abrechnung. Wer digital neu einsteigt, wünscht sich einfache, gut nachvollziehbare Erklärungen „ohne Fachjargon“ und mit persönlicher Begleitung.
Bereit für die TI mit Optica Viva
Um die Funktionen der TI nutzen zu können, benötigen Sie eine TI-fähige Softwarelösung. Optica Viva ist schon heute bereit und integriert verfügbare Anwendungen direkt in die Software: KIM ist die bislang einzige TI-Anwendung, die für Heilmittelerbringende verfügbar ist und als eigenes Modul in Optica Viva integriert und sofort nutzbar. Auch weitere Anwendungen wie z.B. die elektronische Patientenakte (ePA) werden sobald verfügbar direkt in die Software integriert.
KI im Berufsalltag: zwischen Skepsis und Neugier
Die Offenheit gegenüber KI ist breit gestreut: Neben einer skeptischen Gruppe gibt es eine große unentschlossene Mitte und einen wachsenden Anteil offener Praxen. Die Branche befindet sich klar in einer Orientierungsphase. Knapp ein Drittel nutzt KI bereits – vor allem für Texte, Korrekturen und Dokumentation. Der Fokus liegt damit aktuell auf administrativer Entlastung, nicht auf Therapie. Anwendungen im therapeutischen Bereich spielen bislang eine untergeordnete Rolle. Akzeptanz entsteht vor allem dort, wo der Nutzen konkret und sofort spürbar ist. Insgesamt bleibt KI ein Übergangsthema, dessen Entwicklung stark von praktischen Erfahrungen abhängen wird.
Fazit: Zwischen Fortschritt und Vorbehalten
Das Stimmungsbild 2026 zeigt eine Branche im Wandel – mit klaren Fortschritten, aber weiterhin gemischten Gefühlen. Viele Praxen haben erkannt, dass Digitalisierung längst Teil des beruflichen Alltags wird. Die Zahl derjenigen, die sich aktiv vorbereiten, wächst, und digitale Lösungen gewinnen an Akzeptanz.
Gleichzeitig bleibt die Heilmittelbranche gespalten: Während einige gezielt in Technik und Wissen investieren, überwiegt bei anderen noch Unsicherheit – über Kosten, Nutzen und Abläufe im Alltag. Entscheidend für die kommenden Monate werden verlässliche, einfach nutzbare Systeme sein, ergänzt durch verständliche Schulungskonzepte und persönliche Unterstützung.
Gelingt dies, kann Digitalisierung von einer Pflichtaufgabe zu einem echten Mehrwert werden – mit spürbarer Entlastung im Alltag, weniger Bürokratie und einer nachhaltig modernen, vernetzten Versorgung.