Schaufenster gematik: „Patient:innen verfügen souverän über ihre Daten“

Prof. Thomas Grechenig, Experte für die Entwicklung und das Qualitätsmanagement von Software, im Interview über die Digitalisierungspläne der Bundesregierung und Herausforderungen wie Chancen der Telematikinfrastruktur (TI).

Illustration Telematikinfrastruktur

Herr Professor Grechenig, Deutschlands neue Regierung will laut Koalitionsvertrag die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) und des E-Rezeptes beschleunigen, ebenso die Anbindung „sämtlicher Akteure“ an die Telematikinfrastruktur (TI). Bieten die Pläne aus Ihrer Sicht Grund zu Optimismus?

Der Koalitionsvertrag ist an einigen Stellen als bahnbrechend zu bezeichnen. Nicht nur in den Themen ePA und E-Rezept, wo er sehr Zweckmäßiges für die Anbindung aller Akteure vorschlägt. Die Unterkapitel „Digitale Gesellschaft“, „Digitale Bürgerrechte und IT-Sicherheit“ und „Nutzung von Daten und Datenrecht“ sind herausragend. Fairerweise darf man sagen: Im Gesundheitswesen hat schon Jens Spahn damit begonnen, die Digitalisierung zu beschleunigen. Das ist sinnvoll, denn alle Akteure haben einen seriösen Nutzen – und die Gesundheitsdaten gehören den Bürgerinnen und Bürgern wie den Institutionen im Gesundheitswesen, die somit besser planen und versorgen können.

Bei der ePA verweist der Koalitionsvertrag auf die freiwillige Nutzung durch die Versicherten. Wie schätzen Sie das Vertrauen der Versicherten in die elektronische Patientenakte ein?

Die ePA ist technisch vorhanden, die Evolution der Verwendung muss beim Nutzer erst stattfinden. Danach wächst Vertrauen von selbst. Die Bankkarte zum Beispiel war vor 30 Jahren für viele Menschen ein „fremdes Ding“. Haben wir Geduld mit der ePA und geben wir ihr zumindest eine Legislaturperiode, bis sich die Menschen daran gewöhnt haben. Da ist Platz für beide, für die Schnellen wie für die Zögerlichen. Die Nutzung solcher Technologie sollte jedoch freiwillig sein. Die Politik tut sich vielleicht derzeit etwas leichter, mit weniger Risiko für ein Opt-out der ePA zu entscheiden.

Die Digitalisierung verunsichert nicht wenige. Aufgrund der „log4j“-Schwachstelle mussten im Dezember Teile der Telematikinfrastruktur (TI) vom Internet getrennt werden. Was antworten Sie Skeptiker:innen der Digitalisierung?

Log4j war eigentlich ein guter Funktionsnachweis für die TI. Für den Krisenfall gibt es ein wohldefiniertes Vorgehen. Log4j war ein Jahrzehnt-Ereignis. Ob man beim nächsten Fall gleich vom Netz geht, folgt aus den nachträglichen Analysen, aus denen erneuerte Krisenpläne abgeleitet werden können. So etwas regelt eine TI. Ich werde den Teufel tun, einen harten Skeptiker zu missionieren. Das hat etwas mit Denkfreiheiten zu tun. Digitale Systeme müssen praktisch und nützlich sein, dann steigen alle früher oder später ein.

Grundsätzlich gefragt: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Vorteile der Telematikinfrastruktur (TI)?

Neben dem bereits angesprochenen Fundament für eine bessere Versorgung und Planung sind hier unter anderem Sicherheitsgarantien zu nennen: Patient:innen verfügen souverän über ihre Daten; das Gesundheitswesen wird vor gierigen Datensammlern ebenso geschützt wie vor dem Missbrauch sensibler Unterlagen. Auch sind Einheitlichkeit und Norm wesentliche Qualitäten der TI, die so erst Sicherheit herstellbar machen und Interoperabilität ermöglichen: Die Daten reisen im geschützten Raum von Station zu Station – und dafür müssen Papier und Patient:innen das nicht mehr tun.

Nicht zuletzt von Heilmittelerbringer:innen war und ist bei der schrittweisen Anbindung an die TI Geduld gefragt. Was lässt Sie hoffen, dass die Startschwierigkeiten überwunden werden können und dass die Weiterentwicklung zur TI 2.0 gelingt?

Die Heilmittelerbringer:innen können heute schon unkompliziert und kostenneutral einsteigen. Das Zauberwort dafür ist TIaaS („TI as a Service“). Das heißt vereinfacht, dass die komplizierte Technik gar nicht in der Praxis auftaucht, sondern gleich im Rechenzentrum bleibt. Die Weiterentwicklung zur TI 2.0 ist ein natürlicher Vorgang, der heute jede moderne Technologie begleitet. Wir wechseln auch alle paar Jahre das Mobiltelefon. Der Vorteil von TIaaS ist hier zum Beispiel, dass „die Dinger“ jemand für Sie austauscht und es Ihnen egal sein kann, ob das gerade 2.0 oder 5.0 heißt.

Ihr Unternehmen RISE ist Technologiepartner von Optica. Was macht diese Partnerschaft für Sie reizvoll?

Das Reiz- und Wertvolle am deutschen Mittelstand sind unter anderem seine guten alten Tugenden wie Verlässlichkeit, Bodenständigkeit, Qualitätsbewusstsein und Servicefähigkeit. Optica hat noch mehr als das und richtet sich konsequent nach dem Kundennutzen aus, nicht nach einem Börsenkurs. Optica war auf der Suche nach einem Unternehmen mit TI-Expertise, das die gleiche Philosophie teilt. Technologisch ist die Sache zwischen Optica und RISE recht einfach: Auf beiden Seiten agieren ausgezeichnete digitale Handwerker:innen, die gemeinsam einen einfachen, nützlichen Service für Heilmittelerbringer:innen schaffen.


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