Was lohnt sich?

Selbst abrechnen oder abrechnen lassen: Die Frage ist für Praxisinhaber:innen zentral. Ein Blick auf die jeweiligen Argumente.

Illustration: Rezeptabrechnung mit Optica

Was für ein Jahr! 2021, so viel lässt sich jetzt schon sagen, hat für Heilmittelerbringer:innen einiges verändert. Im Januar trat nach langem Vorlauf und mit Konsequenzen für Abrechnungsfragen die neue Heilmittelrichtlinie in Kraft. Zeitgleich wurde ein neues Rezeptformular eingeführt – und das in einer Zeit, in der durch die anhaltende Corona-Krise finanzielle Fragen für Praxisinhaber:innen besonderes Gewicht haben.

Für viele kommt die Abrechnung auf den Prüfstand: Will ich mir den Service eines Abrechnungszentrums weiterhin leisten? Bleibe ich bei der Selbstabrechnung, trotz wesentlicher Veränderungen im laufenden Jahr? Was leistet mein Abrechnungszentrum im Zuge der Neuerungen? Und was ist mit den Kosten? Wie bei allen Abrechnungsfragen kommt es auch hier auf die individuelle Situation an. Allerdings sprechen die Kosten nicht automatisch für die Selbstabrechnung, auch wenn bei dieser die Gebühren an einen Dienstleister entfallen. Ein Rechenbeispiel: Bei einem angenommenen Verdienst eines Praxis-Angestellten von monatlich 2.500 Euro mit 160 Arbeitsstunden ergibt sich ein Stundenlohn von 15,63 Euro, bei 35 Prozent Lohnnebenkosten kommt man auf 21,09 Euro. 5 Minuten haben somit schon einen Wert von rund 1,76 Euro. Prüfen Sie: Wie günstig oder teuer ist die in die Abrechnung investierte Arbeitszeit im Vergleich zu den Leistungen unterschiedlicher Abrechnungszentren? 

So oder so gibt es für beide Abrechnungsarten gute Gründe wie auch Argumente, die gegen sie sprechen. Die folgenden sechs Punkte geben Ihnen Orientierung bei der Frage: Welcher Abrechnungstyp bin ich?
 

Zeit

Nehmen Sie den ganzen Prozess in den Blick: von der Abrechnungsvorbereitung bis zur Rückläuferbearbeitung. Im Schnitt muss eine Praxis Monat für Monat mit ca. 20 Kostenträgern unter Berücksichtigung der jeweiligen Besonderheiten abrechnen. Die Frage ist: Finden Sie die Zeitfenster, um sich allem anzunehmen? Das jeweilige Abrechnungszentrum sollten Sie gründlich prüfen. Für Ihre Gebühren gewinnen Sie nicht zuletzt Zeit. Rezepte können flexibel eingereicht werden und auch die pünktliche Auszahlung sollte nicht unberücksichtigt bleiben; das Rückläufermanagement übernimmt ebenfalls der Dienstleister. Die gewonnene Zeit können Sie in andere Büroarbeit investieren oder natürlich auch in die Behandlung Ihrer Patient:innen. 

Flexibilität

Von der Wahl der benötigten Software bis zur Prüfung von Absetzungen: Als Selbstabrechner:in entscheiden Sie direkt nach Ihren persönlichen Abwägungen und Schwerpunkten, wie Sie die Abrechnung gestalten, wofür Sie sich mehr Zeit nehmen möchten und was Ihnen weniger wichtig ist. Individueller geht es nicht. Sich für ein Abrechnungszentrum zu entscheiden heißt auch, sich auf dessen jeweilige Kompetenz und Angebote festzulegen. Auf Wunsch und gegen Gebühren kann Ihnen das Abrechnungszentrum aber auch Ihren Lohn vorfinanzieren und neben mehr freier Zeit zusätzlich finanzielle Flexibilität ermöglichen.

Expertise

Haben Sie ein Händchen für die Abrechnung? Ist Schreibtischarbeit für Sie vielleicht eine willkommene Abwechslung zur täglichen Behandlungsroutine? Dann kann die Selbstabrechnung für Sie ideal sein. Unterschätzen Sie jedoch nicht die zu berücksichtigenden Details, auch bei der Aktualisierung von Softwareprogrammen und der Vorbereitung und Sortierung der einzelnen Rezepte und Erstellung der Rechnungen für die einzelnen Kostenträger. Letztlich hindert Sie aber niemand daran, mit ständigem Lernen selbst Expertise aufzubauen. Ein Abrechnungszentrum bündelt die Kompetenzen mehrerer Mitarbeiter:innen, auch die Prüfung Ihrer Unterlagen kann entsprechend gründlich erfolgen. Wenn Ihnen diese Expertise zudem in serviceorientierter Beratung, zum Beispiel mit einer gut erreichbaren Hotline, begegnet, ist das ein starkes Plus. Im persönlichen Gespräch merken Sie schnell, ob Sie sich gut aufgehoben fühlen.

Kosten

Übernehmen Sie die Abrechnung selbst, entfallen natürlich Gebühren an einen Dienstleister. Für die Direktabrechnung benötigen Sie eine entsprechende Software. Da können Sie günstige Lösungen finden, sollten aber vorab prüfen, wie umfangreich das jeweilige Programm ist. Vergleichen Sie: Wie viele Arbeitsstunden müssen Sie investieren, um die Abrechnung selbst zu leisten? Zu berücksichtigen ist ebenfalls, dass die Rezepte bei Beauftragung eines Abrechnungsdienstleister in der Regel vor Verlust bereits in den Räumen der Praxis und beim Versand zum Abrechnungszentrum versichert sind – damit ist auch das Risiko zum Beispiel bei Hochwasser, Brand oder Verlust eines Paketes abgedeckt.Auch die Investition in einen Dienstleister will gut überlegt sein. Der Vergleich von Abrechnungszentren und Preis-Leistungs-Verhältnissen lohnt. Ein genauer Blick ist auch nötig, weil manche Dienstleister mit verdeckten Kosten intransparent sind. Allerdings bieten Abrechnungszentren auch attraktive Paketlösungen, von Rezeptversicherungen bis hin zu Sofortauszahlungen.

Vertrauen

Rechnen Sie persönlich ab, müssen Sie auch nur sich selbst vertrauen. Wichtig ist aber, dass Ihnen beim Wunsch nach Kontrolle das ohnehin schon anspruchsvolle „Tagesgeschäft“ nicht über den Kopf wächst. Das gesamte Abrechnungsverfahren können Sie jedenfalls von Anfang bis Ende überblicken. Wenn Sie an einer langfristigen Partnerschaft mit einem Abrechnungszentrum interessiert sind, sollten Vertrauen und „Chemie“ stimmen. Wie transparent arbeitet das Abrechnungszentrum? Werden Ihre Rückfragen zufriedenstellend beantwortet? Je nachdem, wie die Antworten ausfallen, kann auch großes Vertrauen in den Dienstleister entstehen.

Risiko

Als Selbstabrechner:in sind Sie frei und unabhängig und können alle Entscheidungen selbst treffen. Andererseits tragen Sie so auch das gesamte Risiko im Hinblick auf Kürzungen und Absetzungen oder fehlerhafte Rezepteinreichungen. Um diese zu vermeiden, müssen Sie sich besonders intensiv über gesetzliche Änderungen, Regularien etc. informieren.