Selbstabrechnung oder Abrechnungszentrum?

Diese Frage ist für Praxisinhaber:innen zentral. Die Argumente im Direktvergleich

Erst im vergangenen Jahr 2021 veränderte sich für Heilmittelerbringer:innen viel, und auch für die Zukunft kann der Wandel als Konstante gelten. Insbesondere unter dem Druck der Corona-Krise kommt für viele die Abrechnung auf den Prüfstand: 

Will ich mir den Service eines Abrechnungszentrums weiterhin leisten? Bleibe ich bei der Selbstabrechnung, trotz wesentlicher Veränderungen im laufenden Jahr? Was leistet mein Abrechnungszentrum im Zuge der Neuerungen? Und was ist mit den Kosten? Wie bei allen Abrechnungsfragen kommt es auch hier auf die individuelle Situation an. Allerdings sprechen die Kosten nicht automatisch für die Selbstabrechnung, auch wenn bei dieser die Gebühren an einen Dienstleister entfallen. Ein Rechenbeispiel: Bei einem angenommenen Verdienst eines Praxis-Angestellten von monatlich 2.500 Euro mit 160 Arbeitsstunden ergibt sich ein Stundenlohn von 15,63 Euro, bei 35 Prozent Lohnnebenkosten kommt man auf 21,09 Euro. 5 Minuten haben somit schon einen Wert von rund 1,76 Euro. Prüfen Sie: Wie günstig oder teuer ist die in die Abrechnung investierte Arbeitszeit im Vergleich zu den Leistungen unterschiedlicher Abrechnungszentren? 

In unserer Serie "Abrechnung im Fokus" werfen wir einen aktuellen Blick auf die jeweiligen Argumente. Diese und soll Ihnen bei der Beantwortung der Frage helfen: Welcher Abrechnungstyp bin ich?

Expertise

Haben Sie ein Händchen für die Abrechnung? Ist Schreibtischarbeit für Sie vielleicht eine willkommene Abwechslung zur täglichen Behandlungsroutine? Dann kann die Selbstabrechnung für Sie ideal sein. Unterschätzen Sie jedoch nicht die zu berücksichtigenden Details, auch bei der Aktualisierung von Softwareprogrammen und der Vorbereitung und Sortierung der einzelnen Rezepte und Erstellung der Rechnungen für die einzelnen Kostenträger. Letztlich hindert Sie aber niemand daran, mit ständigem Lernen selbst Expertise aufzubauen. Ein Abrechnungszentrum bündelt die Kompetenzen mehrerer Mitarbeiter:innen, auch die Prüfung Ihrer Unterlagen kann entsprechend gründlich erfolgen. Wenn Ihnen diese Expertise zudem in serviceorientierter Beratung begegnet, zum Beispiel mit einer gut erreichbaren Hotline, ist das ein starkes Plus. Im persönlichen Gespräch merken Sie schnell, ob Sie sich gut aufgehoben fühlen.

Vertrauen

Rechnen Sie persönlich ab, müssen Sie auch nur sich selbst vertrauen. Wichtig ist aber, dass Ihnen beim Wunsch nach Kontrolle das ohnehin schon anspruchsvolle „Tagesgeschäft“ nicht über den Kopf wächst. Das gesamte Abrechnungsverfahren können Sie jedenfalls von Anfang bis Ende überblicken. Wenn Sie an einer langfristigen Partnerschaft mit einem Abrechnungszentrum interessiert sind, sollten Vertrauen und „Chemie“ stimmen. Wie transparent arbeitet das Abrechnungszentrum? Werden Ihre Rückfragen zufriedenstellend beantwortet? Je nachdem wie die Antworten ausfallen, kann auch großes Vertrauen in den Dienstleister entstehen.

Zeit

Auch die Dienstleistungen eines Abrechnungszentrums sollten Sie gründlich prüfen. Als Gegenleistung gewinnen Sie nicht zuletzt Zeit. Rezepte können flexibel eingereicht werden, und auch die pünktliche Auszahlung sollte nicht unberücksichtigt bleiben; das Rückläufermanagement übernimmt ebenfalls der Dienstleister. Die gewonnene Zeit können Sie in andere Büroarbeit investieren oder natürlich in die Behandlung Ihrer Patient:innen.

Flexibilität

Von der Wahl der benötigten Software bis zur Prüfung von Absetzungen: Als Selbstabrechner:in entscheiden Sie direkt nach Ihren persönlichen Abwägungen und Schwerpunkten, wie Sie die Abrechnung gestalten, wofür Sie sich mehr Zeit nehmen möchten und was Ihnen weniger wichtig ist. Individueller geht es nicht. Sich für ein Abrechnungszentrum zu entscheiden heißt auch, sich auf dessen jeweilige Kompetenz und Angebote festzulegen. Auf Wunsch und gegen Gebühren kann Ihnen das Abrechnungszentrum aber auch Ihren Lohn vorfinanzieren und neben mehr freier Zeit zusätzlich finanzielle Flexibilität ermöglichen.

Risiko

Als Selbstabrechner:in sind Sie frei und unabhängig und können alle Entscheidungen selbst treffen. Andererseits tragen Sie so auch das gesamte Risiko im Hinblick auf Kürzungen und Absetzungen oder fehlerhafte Rezepteinreichungen. Um diese zu vermeiden, müssen Sie sich besonders intensiv über gesetzliche Änderungen, Regularien etc. informieren. Auch für die Versicherung der Rezepte, sowohl während der Lagerung bei Ihnen als auch beim Versand an die Krankenkassen, sind Sie verantwortlich.

Kosten

Übernehmen Sie die Abrechnung selbst, entfallen Gebühren an einen Dienstleister. Für die Direktabrechnung benötigen Sie eine entsprechende Software. Da können Sie günstige Lösungen finden, sollten aber vorab prüfen, wie umfangreich das jeweilige Programm ist. Vergleichen Sie: Wie viele Arbeitsstunden müssen Sie investieren, um die Abrechnung selbst zu leisten? Zu berücksichtigen ist ebenfalls, dass die Rezepte bei Beauftragung eines Abrechnungsdienstleisters in der Regel vor Verlust bereits in den Räumen der Praxis und beim Versand zum Abrechnungszentrum versichert sind – damit ist auch das Risiko zum Beispiel bei Hochwasser, Brand oder Verlust eines Paketes abgedeckt. Der Vergleich von Abrechnungszentren und Preis-Leistungs-Verhältnissen lohnt allemal. Ein genauer Blick ist zudem nötig, weil manche Kosten intransparent sein können. Allerdings bieten Abrechnungszentren auch attraktive Paketlösungen, von Rezeptversicherungen bis hin zu Sofortauszahlungen.

 

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