Talk mit Piel | OTWorld 2026: Zwischen Innovation, Versorgungssicherheit und echter Teilhabe

Vier intensive Tage voller Austausch, neuer Perspektiven und wertvoller Begegnungen liegen hinter uns. Die OTWorld 2026 in Leipzig hat erneut gezeigt, warum sie zu den wichtigsten internationalen Plattformen der Hilfsmittel-, Reha- und Orthopädietechnikbranche gehört.

Die Messe überzeugte nicht nur durch ihre internationale Ausrichtung und professionelle Organisation, sondern vor allem durch eines: den offenen Austausch zwischen Herstellern, Leistungserbringern, Verbänden und politischen Akteuren. Genau dieser Dialog wird in den kommenden Jahren entscheidend sein.

Denn die Herausforderungen für die Hilfsmittelversorgung wachsen spürbar.

Im Mittelpunkt stehen die Menschen

Ein besonderer Moment war für mich die Eröffnung mit Tan Caglar. Mit Humor, Klarheit und viel persönlicher Erfahrung sprach er über den Alltag als Rollstuhlfahrer – und brachte damit auf den Punkt, worum es in unserer Branche letztlich geht: um Menschen und ihre tatsächliche Teilhabe am Leben.

Sein Satz bleibt hängen:

„Am Ende zählt nicht, was möglich ist, sondern was tatsächlich im Alltag ankommt.“

Genau darin liegt der Kern guter Hilfsmittelversorgung: Menschen Mobilität, Selbstständigkeit, Lebensqualität und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Nicht theoretisch, sondern ganz konkret im Alltag.

Die Branche steht unter Druck

Gleichzeitig wurde auf der OTWorld deutlich, wie groß die Herausforderungen der kommenden Jahre sind. Die HilfsmittelStudie 2026 sowie die aktuelle Branchenumfrage des WvD zeigen ein klares Bild: steigender Versorgungsbedarf, zunehmender Fachkräftemangel, wachsender Kostendruck und immer komplexere bürokratische Anforderungen belasten die Branche zunehmend.

Hinzu kommt der dringende Bedarf an digitalen und vernetzten Prozessen. Denn während die Versorgungsrealität immer komplexer wird, arbeiten viele Strukturen noch immer nicht zeitgemäß zusammen.

Dabei bieten Digitalisierung, KI und moderne Versorgungsansätze enorme Chancen – vorausgesetzt, die politischen und strukturellen Rahmenbedingungen entwickeln sich mit.

Das E-Rezept darf die Hilfsmittelbranche nicht länger ausklammern

Für mich wurde auf der OTWorld einmal mehr deutlich: Die vollständige Einbindung der Hilfsmittelleistungserbringer in das E-Rezept ist längst überfällig.

Dabei handelt es sich nicht mehr um eine Zukunftsvision, sondern um eine notwendige Voraussetzung für effiziente, moderne und patientenorientierte Versorgungsprozesse. Gerade angesichts aktueller gesundheitspolitischer Diskussionen und zusätzlicher finanzieller Belastungen braucht die Branche verlässliche und nachhaltige Rahmenbedingungen. 

Denn am Ende entscheidet funktionierende Versorgung nicht allein über Prozesse, sondern über Lebensqualität.

Versorgung ist gesellschaftliche Teilhabe

Die Hilfsmittelbranche ist wichtig. Sie ermöglicht Menschen mit Einschränkungen ein selbstbestimmtes Leben, Mobilität und gesellschaftliche Teilhabe.

Genau das war auf der OTWorld überall sichtbar und spürbar.

Mein Dank gilt allen Kunden, Partnern und Interessierten für die inspirierenden Gespräche, das ehrliche Feedback und den offenen Austausch. Ebenso den Organisatoren, Referenten und Verbänden, die diese Veranstaltung erneut zu einem echten Branchentreffpunkt gemacht haben.

Und vielleicht ist es am Ende tatsächlich ein bisschen wie ein Familientreffen: Man sieht sich nicht jeden Tag – aber, wenn man zusammenkommt, merkt man schnell, wie wichtig der gemeinsame Austausch für die Zukunft ist.


Thomas Piel verfügt über drei Jahrzehnte Branchenerfahrung, vor allem im Hilfsmittelbereich. Als Leiter Gesundheitspolitik/Strategische Kooperationen bei Optica ist er bestens vernetzt mit Verbänden, Krankenkassen und politischen Entscheidern und immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten der Zusammenarbeit, um die Branche voranzubringen. In seiner Freizeit trifft man ihn laufend, radfahrend oder auf Spurensuche mit seinem Dackel Luca im Wald.  

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