Unter vier Augen: "Massiver Eingriff in die wirtschaftliche Grundlage"
Herr Chaumont, wie stark gefährden die neuen Vergütungsgrenzen und Festbeträge die Rentabilität der Betriebe?
Tobias Chaumont: Die Auswirkungen sind erheblich. Viele orthopädietechnische Betriebe arbeiten bereits heute mit Renditen von lediglich ein bis sechs Prozent. Ein zusätzlicher Vergütungsabschlag
von drei Prozent greift daher massiv in ihre wirtschaftliche Grundlage ein. Gleichzeitig steigen Personal-, Material- und Energiekosten weiter. Dadurch entsteht ein wirtschaftliches Ungleichgewicht, das sich dauerhaft nicht tragen lässt.
Welche Folgen können die Einschnitte für Versorgung, Service und Investitionen haben?
Tobias Chaumont: Betriebe werden noch genauer prüfen müssen, welche Versorgungsbereiche, Verträge oder Standorte wirtschaftlich tragfähig sind. Besonders unter Druck geraten aufwendige individuelle Versorgungen. Zugleich fehlen Mittel für Fachkräfte, Ausbildung, Werkstätten und Digitalisierung. Für Versicherte kann das längere Wartezeiten, weitere Wege und eine Ausdünnung wohnortnaher Versorgung bedeuten.
Wo sehen Sie beide die größten wirtschaftlichen Reserven?
Tobias Chaumont: Ich sehe die Reserven nicht bei den Patientinnen und Patienten und nicht bei der handwerklichen Qualität. Potenziale liegen vor allem in effizienteren Verwaltungsprozessen: einheitlicheren Verträgen und Genehmigungen, weniger kassenindividuellen Sonderregelungen, verbindlichen Standards und konsequenter Digitalisierung. Hoch qualifizierte Fachkräfte sollten möglichst wenig Zeit mit vermeidbarer Bürokratie verbringen.
Dr. Jochen Pfänder: Reserven entstehen vor allem dort, wo Betriebe ihre Zahlen genauer kennen. Wer die Deckungsbeiträge der Versorgungsbereiche kennt und weiß, wo Außenstände und Absetzungen entstehen, kann gezielter gegensteuern. Es geht also nicht nur darum, Prozesse effizienter zu machen. Genauso wichtig ist es, auf Basis verlässlicher Daten bessere unternehmerische Entscheidungen zu treffen.
„Neue Vergütungsgrenzen und Festbeträge können für Versicherte längere Wartezeiten, weitere Wege und weniger wohnortnahe Versorgung bedeuten.“
– Tobias Chaumont, BIV-OT-Vizepräsident und Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses, Delegierter der Innung für Orthopädie-Technik für den Regierungsbezirk Köln, Betriebsleitung für die Bereiche Orthopädie-Technik und Orthopädie-Schuhtechnik der rahm GmbH
Herr Dr. Pfänder, wo können digitale Abrechnung, Automatisierung und Branchensoftware dazu beitragen, Kosten zu senken?
Dr. Jochen Pfänder: Ein wichtiger Hebel liegt in durchgängigen, automatisierten Prozessen. Mit Optica Omnia lassen sich Formulare beispielsweise digital bearbeiten und direkt ablegen, Vorgänge im Außendienst anlegen und dem Innendienst zuweisen sowie Bestellungen ohne Medienbruch versenden. Mehr als 7.000 hinterlegte Hilfsmittelverträge unterstützen bei der Auswahl der relevanten Vertragsgrundlagen. Der Versorgungsstatus und das Dashboard zeigen jederzeit den Stand jedes Vorgangs an. Das spart Zeit, vermeidet Doppelarbeit und erhöht die Prozesssicherheit.
Wo entsteht heute besonders viel Aufwand und wie müssen Telematikinfrastruktur und Branchensoftware zusammenspielen, um ihn zu reduzieren?
Tobias Chaumont: Viel Aufwand entsteht durch Kostenvoranschläge, Dokumentation, Rückfragen, Genehmigungen und unterschiedliche Vor- gaben der Krankenkassen. Digitalisierung hilft, wenn Informationen von der Verordnung bis zur Abrechnung medienbruchfrei verfügbar sind. Sie darf Bürokratie nicht nur elektronisch abbilden, sondern muss Prozesse vereinfachen.
Dr. Jochen Pfänder: Entscheidend ist, dass TI-Anwendungen tief in die Branchensoftware integriert sind. Am Beispiel von Optica Omnia zeigt sich bereits heute der Mehrwert: Anwender können über KIM direkt aus der Software mit Ärzten kommunizieren, ohne das System wechseln zu müssen. Bei der eVerordnung wird es künftig darauf ankommen, diesen Ansatz konsequent weiterzuführen. Mit Optica Omnia stehen die relevanten Daten direkt in der Software zur Verfügung und lassen sich ohne zusätzliche Eingaben in den Versorgungsprozess übernehmen.
„Wer die Deckungsbeiträge der Versorgungsbereiche kennt und weiß, wo Außenstände und Absetzungen entstehen, kann gezielter gegensteuern.“
– Dr. Jochen Pfänder, Geschäftsführer Optica Abrechnungszentrum Dr. Güldener GmbH
Herr Dr. Pfänder, welche Erfahrungen aus dem Pilotprojekt zur eVerordnung sind dafür besonders wichtig?
Dr. Jochen Pfänder: Entscheidend ist, den gesamten Versorgungsprozess zu betrachten. Eine elektronische Verordnung allein reicht nicht. Erst wenn Standards und Schnittstellen funktionieren und die Daten in der Branchensoftware weiterverarbeitet werden können, werden Abläufe schneller, Fehler seltener und der Verwaltungsaufwand geringer.
Herr Chaumont, kann die eVerordnung Betriebe trotz engerer Vergütungsgrenzen wirtschaftlich entlasten?
Tobias Chaumont: Ja, wenn sie Teil eines durchgängig digitalen Prozesses ist. Automatisierter Datenaustausch und schnellere Genehmigungen können Verwaltungsaufwand reduzieren. Aber die eVerordnung kann keine dauerhaft nicht auskömmliche Vergütung ausgleichen. Digitalisierung schafft Effizienz – sie ersetzt aber weder die handwerkliche Expertise noch kann sie politisch bedingte Vergütungskürzungen kompensieren.
Optica Omnia: die clevere Software für das Sanitätsfachhandel und Gesundheitshandwerk
Optica Omnia ist eine Branchensoftware, die Sie entlang des gesamten Versorgungsprozesses unterstützt – mit allen Funktionen in einer Software. Das Ergebnis: weniger Programmchaos, mehr Effizienz. Auch dank verschiedenster Schnittstellen zu Programmen wie Rothballer oder medilogic.